Durchstarten mit dem Mittelstand
Kassel. Beim Werben um Fachkräfte ist es für mittelständische Unternehmen nicht immer einfach, sich ausreichend gut in Position zu bringen. Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen bevorzugen die großen Industrieunternehmen bei ihren Bewerbungstouren. Erst später, wenn das nicht funktioniert hat, sind die kleineren Arbeitgeber dran. Doch dann ist es vielleicht schon zu spät, denn auch gerade mittelständische Hightech-Unternehmen benötigen hoch motivierte Mitarbeiter. Wer zu lange auf der Suche gewesen ist, wird dann auch in diesen Betrieben "außen vor" bleiben.
Dabei haben Mittelständler für Absolventen einiges zu bieten. Vor allem die schnelle Übernahme von Verantwortung ist für Berufseinsteiger attraktiv. Das "Parken" von Mitarbeitern können und wollen sich die zumeist inhabergeführten Unternehmen nicht leisten. Zugleich sind mittelständische Betriebe auf Grund ihrer Flexibilität auch krisenfester als manch Großer und bieten deshalb vergleichsweise sichere Arbeitsplätze.
Der Personalentwicklungsverein Kompakt e.V. aus Kassel beschreitet seit Juli 2007 neue Wege bei Ansprache von Jungakademikern. Ab sofort geht man direkt in die einzelnen Fachbereiche der Uni und spricht mit den Lehrenden und Studierenden vor Ort. Um ein Markenzeichen zu entwickeln, haben die beteiligten Betriebe der Initiative einen eigenen Namen gegeben: KOM - Karriere Offensive Mittelstand. "Schon bei der ersten KOM im vergangenen Sommer konnten wir zwei Informatikstudenten als Praktikanten gewinnen", bestätigt Klaus Lüders, Geschäftsführer der KH-Automation Projects GmbH in Fuldabrück, den erfolgreichen Projektgedanken. Lürders hofft, mindestens einen der beiden auch später für das Unternehmen zu gewinnen.
Jetzt geht KOM in die zweite Runde. Am 22. Februar 2008 wird man sich am Fachbereich 7 der Uni Kassel bei den Wirtschaftswissenschaftlern und Wirtschaftsingenieuren präsentieren. Wieder geht es um Praktikumsstellen, Diplomarbeiten oder einen Berufseinstieg. Aber auch der Kontakt zu den Professoren und Dozenten ist den Unternehmen wichtig, und, das hat sich schon im vergangenen Jahr gezeigt, umgehkehrt ist es wohl auch so. Immerhin sind Betriebe wie Management Services in Hofgeismar oder Technoform Bautec in Fuldabrück in ihren jeweiligen Branchen technologieführend und auch international nicht ganz unbekannt!
Mittelständler wollen Ingenieure locken
Initiative KOM veranstaltet erstmals Firmenkontakmesse am Fachbereich Elektrotechnik/Informatik
Kassel. Die Nachfrage nach Ingenieuren ist groß. Die Studenten sind derart begehrt, dass manche bereits vor ihrem Diplom einen Arbeitsvertrag in der Tasche haben. Unter den Unternehmen, die um die Gunst der Absolventen buhlen, sind viele Weltkonzerne. Die Aushänge an den schwarzen Brettern der Hochschule zeugen davon. Angesichts der Perspektive, bei einem Konzern wie etwa Siemens unterzukommen, haben es mittelständische Unternehmen inzwischen schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Dabei können die Mittelständler jungen Ingenieuren nach der Überzeugung von Klaus Lüders, Geschäftsführer der KH-Automation Projects GmbH mit Sitz in Fuldabrück, einiges bieten - und zwar nicht nur finanziell. «Sie sind von Anfang an verantwortlich in die Arbeit eingebunden», sagt Lüders, der selbst Diplom-Ingenieur ist. Außerdem gebe es im Mittelstand gute Karriereaussichten.
Um bei den Studierenden der Kasseler Hochschule durchzudringen, geht die Karriere Offensive Mittelstand (KOM) jetzt neue Wege. Die Initiative nordhessischer Mittelständler, darunter auch die Firma von Klaus Lüders, hat am Fachbereich Elektrotechnik/Informatik erstmals eine Firmenkontaktmesse auf die Beine gestellt. 17 Unternehmen präsentierten sich, darunter renommierte Mittelständler wie der stark expandierende Solartechnikhersteller SMA aus Niestetal. Doch nicht nur die Wirtschaft leidet unter Ingenieurmangel, auch die Kasseler Uni muss nach der Überzeugung von Dekan Prof. Dr. Jürgen Schmidt "mächtig werben", um Ingeurstudenten nach Kassel zu locken. Dem Nimbus, «dass das Studium eine kochentrockene Angelegenheit ist», müsse man offensiv mit Informationen begegnen. So müssten die beruflichen Perspektiven für Ingenieure in der Öffentlichkeit besser vermittelt werden. Als erster konkreter Schritt soll der Internetauftritt des Fachbereichs «viel attraktiver werden». Schmidt: «Wir müssen die Highlights darstellen.»
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